Heizkosten einsparen - ein Interview mit Michael Merscher

Maximaler Komfort und maximale Energieeinsparung mit Wohnungslüftung

Ein Gespräch mit dem Lüftungsexperten Michael Merscher, 1. Vorsitzender der Interessensgemeinschaft Dezentrale Wohnungslüftung e.V. (IGDWL)

Energie – seit jeher ein teures Gut – erreicht in diesem Jahr neue Rekordwerte. Nach einer Prognose der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online wird der Verbraucher die Teuerungen insbesondere beim Heizen der heimischen vier Wände bemerken. Denn die Heizung ist mit einem Anteil von rund 55 Prozent der größte Energiefresser im Haushalt. Bei der Frage nach möglichen Heizkosteneinsparungen lohnt sich der Blick auf eine zunehmend beliebte Haustechnik, die komfortable Wohnraumlüftung. Michael Merscher, 1. Vorsitzender des Verbandes IGDWL e.V. liefert interessante Einblicke in die hohe Energieeffizienz dieser Technologie.

 

1. Warum kann man bei der Wohnraumlüftung auf eine gerade im Winter kostenintensive Fensterlüftung verzichten?

Bei der Wohnraumlüftung mit ventilatorgestützten Lüftungssystemen wird durch intelligente Elektronik bzw. Sensorik nur genau so viel gelüftet, wie sein muss. Lüftet man über Fenster, muss man schon genau wissen, wann der richtige Zeitpunkt zum Öffnen und Schließen gekommen ist. Ansonsten lüftet man zu wenig oder zu viel. Oft wird auch „falsch“ gelüftet: Das Fenster wird im guten Glauben an einen Luftaustausch auf „Kipp“ gestellt und hinter dem Vorhang für eine lange Zeit offen gelassen – oft auch vergessen. In Wirklichkeit wird aber fast gar keine Luft ausgetauscht, es geht nur viel Wärme verloren, Oberflächen kühlen aus und man kann Feuchtigkeitsprobleme bekommen, wo vorher gar keine waren. Eine Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung entzieht beim Luftaustausch der Abluft Wärme und führt diese der frischen Luft wieder zu. So wird noch weniger Energie verbraucht als bei Systemen ohne Wärmerückgewinnung. Will man also maximalen Komfort und maximale Energieeinsparung haben, ist ein System mit Wärmerückgewinnung die optimale Wahl.

 

2. Gibt es weitere energetische Einsparpotentiale mit Lüftungsanlagen?

Wie eben schon erwähnt, wird durch die automatische Steuerung nur so viel wie nötig gelüftet und bei Geräten mit Wärmerückgewinnung noch dazu die Raumwärme wieder zurückgeführt. Dabei überwiegt der Anteil der zurückgeführten bzw. gesparten Heizenergie deutlich gegenüber der benötigten Leistungsaufnahme der Motoren und Steuerungen.Zusätzlich werden CO2, Chemikalien aus Möbeln und Einrichtung, Gase und Gerüche immer schnell abgeführt. Man darf auch nicht vergessen, dass der Mensch nicht nur eine bestimmte Temperatur als behaglich empfindet, sondern auch die Luftfeuchtigkeit eine entscheidende Rolle spielt. Weil ein bedarfsgeregeltes System nur so viel lüftet, wie tatsächlich erforderlich ist, sinkt im Winter die Raumluftfeuchtigkeit nicht unnötig stark ab. Es gibt sogar Systeme, die die Feuchtigkeit im Raum durch sogenannte Feuchterückgewinnung deutlich beeinflussen. Hierdurch kann die Raumtemperatur in vielen Fällen gesenkt werden, ohne dass es sich für die Bewohner anders anfühlt. Bereits ein Grad Unterschied kann die Heizkosten um ca. 5-8 Prozent senken.

3. Wie genau funktioniert die Wärmerückgewinnung?

Hierbei handelt es sich um einen recht komplexen, aber einfach erklärbaren Vorgang im sogenannten Wärmeübertrager eines Lüftungssystems. Es gibt verschiedene Methoden und Vorgänge, um der Abluft Wärme zu entziehen. Typische Bauarten sind Kreuzstrom- oder Kreuzgegenstromwärmetauscher, Rotoren oder Regeneratoren sowie auch Wärmeübertrager, zum Beispiel in Wärmepumpen. Mittels Ventilatoren wird „verbrauchte“ Raumluft nach draußen befördert und gleichzeitig die gleiche Menge Frischluft dem Raum wieder zugeführt. Die Luft strömt auf dem Weg ins Freie durch den Wärmeübertrager. Dabei streift sie an einer Oberfläche entlang, die aus Kunststoffen, verschiedenen Metallen, Folien oder Keramik besteht. Jetzt beginnt der erste Teil der Wärmeübertragung: Die Luft gibt einen Teil der Wärmeenergie (also der vorher hineingesteckten Heizenergie) an den Wärmeübertrager ab. Je nach Wirkprinzip wird diese Energie gespeichert oder direkt weitergeleitet zum nächsten Schritt: Auf der anderen Seite des Wärmeübertragers strömt die frische Luft entlang, die noch kühl ist. Hier wird die zuvor aufgenommene Energie an die kühlere Luft abgegeben. Die Luft wird also vom Wärmeübertrager aufgewärmt, ohne dass sich Frischluft und Abluft mischen. Oder ganz einfach gesagt: Der Abluft wird die Heizenergie „entzogen“ und auf die Frischluft übertragen.

4. Wie viel Prozent Heizkosten können mit moderner Wohnraumlüftung eingespart werden?

Das ist ganz schwer zu sagen. Ich möchte niemandem falsche Hoffnungen machen mit Parolen wie „Einsparungen bis zu 40 Prozent sind möglich“. Man muss jeden Fall einzeln betrachten, alles andere wäre nicht seriös. Lüftet jemand zum Beispiel eher wenig (oder fast gar nicht), wird er nach dem Einbau einer Wohnungslüftung keine Ersparnisse haben. Und es gibt auch Menschen, die trotz einer Wohnungslüftungsanlage im Haus immer noch die Fenster öffnen. Jeder soll genau so leben wie er möchte, das heißt wenn jemand gerne die Vögel, den Wind oder den nächtlichen Trubel vom Straßencafé durch ein geöffnetes Fenster hören möchte oder einfach das Bedürfnis hat das Fenster zu öffnen, dann soll das auch so sein. Aber dann sind eben die Ersparnisse geringer. Lüftet jemand extrem viel, kann der Einspareffekt mit Lüftungsanlage hingegen sehr groß sein. In modernen, gut gedämmten Gebäuden ist der Effekt am größten. Hier hilft meist nur noch eine Wohnungslüftung, um überhaupt Feuchtigkeit aus dem Gebäude zu bekommen und Schimmelproblemen vorzubeugen. Wenn ein Energieberater oder ein Anlagenplaner die genauen Parameter einer Wohnung oder eines Hauses kennt, dann kann er recht genau die möglichen Einsparungen berechnen. Diese können durchaus ein Potenzial von bis zu 30 Prozent (oder in Einzelfällen sogar noch mehr) der Heizkosten betragen. Ob der Nutzer dieses Potenzial allerdings ausschöpfen kann, das ist eine ganz individuelle Frage. Eine Wohnungslüftung ist aber viel mehr als nur ein Werkzeug zur Energieeinsparung. Wir dürfen nicht vergessen, dass es auch um dauerhaft frische Luft, Gesundheit, Behaglichkeit und noch vieles mehr geht, wenn man sich für eine Wohnungslüftung entscheidet. Sie sorgt bei geschlossenen Fenstern für kontinuierliche Lüftung, sodass keine Mücken mehr durch geöffnete Fenster in die Wohnung kommen, Allergiker von Pollenfiltern in den Anlagen profitieren und ein potenzieller Einbrecher es schwer hat, da er keine gekippten Fenster vorfindet, durch die er einsteigen kann.

5. Wie sieht es mit dem Stromverbrauch der Lüftungsgeräte aus?

Ich hatte es schon kurz erwähnt, der Stromverbrauch einer Wohnungslüftung ist deutlich geringer als das mögliche Einsparpotenzial. Man kann sagen, dass die Ersparnis immer mindestens so hoch wie der Stromverbrauch der Wohnungslüftung ist. Man zahlt also für den Betrieb der Anlage nicht „drauf“. Für eine 100-m²-Wohnung mit modernem Baustandard und einer Wohnungslüftung nach Stand der Technik liegt der Stromverbrauch ganz grob bei 15 bis 20 W im Mittel. Über das Jahr gesehen sind das dann etwa 130 bis 175 kWh.

 

Weitere Informationen zur Systemtechnik, aktuellen Fördermöglichkeiten und Lüftungsnews erfahren Verbraucher unter www.wohnungs-lueftung.de, dem Infoportal der Initiative „Gute Luft“.

 

 

Informationen:

LUNOS ist Mitglied im IGDWL e.V., dem Verband der Interessensgemeinschaft der dezentralen Wohnungslüftung. Dieser ist Teil der Initiative Gute Luft.

Michael Merscher ist Technischer Leiter und Mitglied der Geschäftsleitung von LUNOS. Er ist außerdem 1. Vorsitzender des IGDWL e.V.

Zurück